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Ich sehe was, was du nicht siehst – Oder: Die Erschaffung der Bürokratie

Freitag, August 13th, 2010

Am Anfang waren die Menschen wüst und leer. Irgendwann krochen sie alle aus den Löchern dieser Erde und reckten sich gen Sonne. Eine Spezies war jedoch geboren, ihr Wesen allein zu ewiger Finsternis verdammt. Als die Menschen um die Plätze an der Sonne kämpften und sie auch langsam alle besetzt hatten, waren die Bürokraten immer noch damit beschäftigt zu diskutieren, welches Formular sie für einen Antrag zum Platz an der Sonne ausfüllen mussten. So blieben sie ewig auf einem Auge blind.

Mit diesem Schicksal geschlagen, zogen sie sich in ihre Büro-Höhlen zurück und schmiedeten Pläne, die anhand von Unstimmigkeiten nie zur Ausführung kommen sollten, erfanden irrwitzige Formulare, um sich wenigstens ein bisschen Freude in einer trostlosen Umgebung zu schaffen, und fingen an Bandansagen für Hotlines zu entwerfen um ihr volles kreatives Potential auszuschöpfen.

Irgendeine Macht im Universum muss mit den Bürokraten solch ein Mitleid gehabt haben, dass sie ihnen zu mehr Selbstbewusstsein verhelfen wollte. Sie sollten also die Geschicke der Menschen verwalten. Zu Beginn lief das noch ganz gut, doch dann wurden die Bürokraten von ihrem Sein überwältigt. Sie zwangen die Menschen ebenfalls die irrwitzigen Formulare auszufüllen und sich ihre kunstvollen Bandansagen anzuhören. Die Bürokraten konnten die Unmut der Menschen über solch spaßige Beschäftigungen gar nicht nachvollziehen und so wuchs die Kluft.

Das Schlimmste aber war, da die Bürokraten auf einem Auge blind waren, sahen sie nie, was neben ihnen passierte und so kam es, dass der eine nicht wusste, was der andere tat…  So nahm das Elend, das wir alle kennen, seinen Lauf. Und wenn sie nicht verwaltet wurden, verwalten sie noch heute…



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Gefangen in der Servicewüste – Hört mich jemand?

Freitag, August 6th, 2010

Hallo, ist da jemand?! Ich bin hier ganz schön alleine, ich weiß nicht genau, wo ich bin. Irgendwo zwischen Paragraph 2 im dritten Absatz bin ich falsch abgebogen und finde nun nicht mehr zurück. Bisher habe ich versucht mit dem Telefon an Hilfe zu kommen, doch irgendwie kann ich dort nur mit Computern sprechen, die mich nicht verstehen.

Hallo, Echo! Gott, das hallt aber ganz schön zurück. Von allen Seiten her scheint es zu kommen. Irgendwo müssen da versteckte Wände, versteckte Hürden sein, aber ich sehe sie noch nicht. Ich glaube, ich bin hier in der Servicewüste gefangen.

Langsam bekomme ich Durst, die Luft ist hier so trocken. Meine Kehle kann bald kein Wort mehr sprechen, denn sie weiß auch schon gar nicht mehr was. Und dann sind da noch ständig diese Geräusche: Aus jeder Ecke kommt ein seltsames Gemurmel, aus der einen flüstert es Zahlen, aus der anderen Vorschriften, die ich nicht verstehe. Und dann gibt es da noch eine Ecke, da scheint sich jemand in Zeilen und Absätzen so verwickelt zu haben, dass er hier zugrunde gegangen ist.

Ich will nicht das selbe Schicksal erleiden! Bei einer einzigen Hotline bin ich durchgekommen und die haben mir eine Hilfestellung auf seltsame Weise zukommen lassen. Nur, dass ich auch diese Hilfestellung nicht verstehe. Was wollt ihr bloß von mir und wie komme ich hier wieder heraus?

GAR NICHT! Dröhnt es von oben…



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Registrierung einer terroristischen Vereinigung

Freitag, Juli 30th, 2010

Habt ihr auch schon einmal versucht, eure kleine, aber schnell wachsende terroristische Vereinigung zu registrieren? Das ist gar nicht so leicht, wie man sich das immer vorstellt:


Füllen Sie das Formular H in Anlage F1b aus!

Freitag, Juli 2nd, 2010

Sie wollen einen Gutschein einlösen über eine Rabattmarke für einen Kaugummi. Dazu müssen Sie aber zunächst Formular H in Anlage F1b ausfüllen. Dieses berechtigt Sie zum Erwerb eines Coupons, mit dem Sie dann an der Kasse den Kaugummi erhalten. Ja, ich weiß Sie lieben Kaugummi, aber vor dem Genuss kommt wie immer die Pflicht!

Hören Sie also auf sich zu beschweren und fangen Sie lieber an das Formular auszufüllen. Nein, nicht mit diesem Stift! Sie können das Formular H in Anlage F1b doch nicht mit diesem ordinären Stift ausfüllen! Haben Sie denn nicht Ihren Formular-Stift bei sich, wie das gute Bundesbürger eben haben? Nein, Sie schrecklicher Mensch, aber warten Sie ich helfe Ihnen mit meinem aus, wir wollen bei dem schönen Wetter ja nicht so kleinlich sein und schließlich geht es um Kaugummi…

So, nachdem Sie Ihre vollen Daten inklusive Namen von Freunden und Verwandten bis in die vierte Generation angegeben haben… Oh, vergessen Sie nicht das Feld mit den Kontodaten, denn der Bezahlvorgang soll ja schließlich einfacher sein. Ja, so ist das gut! Wie, Sie wissen nicht mehr wie ihr Banknachbar in der ersten Klasse Grundschule hieß? Na dann, überlegen Sie!

Oh Gott, warum machen Sie denn da das Kreuz. Jetzt hätten Sie fast den falschen Kaugummi angekreuzt. Sie haben nur einen Gutschein für eine Rabattmarke für Erdbeer-Kaugummi, Sie hätten aber fast Cola angekreuzt. Tztztz… Wie sind Sie bloß in Ihrem bisherigen Leben zurecht gekommen?

So, das war das Formular H in Anlage F1b, da sind Sie nun aber erleichtert, dass Sie das innerhalb einer Stunde geschafft haben. Und gleich bekommen Sie auch den Kaugummi-Coupon, wenn Sie dem Formular noch ein Gesundheitszeugnis, eine Schufa-Auskunft und ein Führungszeugnis beilegen… Jetzt werden Sie doch nicht gleich wütend. Ärger hat noch niemanden weitergebracht. Hören Sie auf! Aaaahhhh!


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Wenn dir mal wieder ein Vogone gegenüber sitzt…

Freitag, Juni 25th, 2010

Ach ja, Ämter. Anträge gehen verloren, werden wieder gefunden, dann in einem anderen Zuständigkeitsbereich wieder verlegt. Natürlich hat man in solch einem Fall den Antrag überhaupt nicht eingereicht oder er wurde venichtet, weil man die doppelkantige Schuppschlimmkloppschlapp-Zeile nicht ausgefüllt hat, die darüber entscheidet, wer den Zuständigkeitsbereich über die doppelkantige Schuppschlimmkloppschlapp-Zeile überhaupt hat. Füllt man diese Zeile nicht aus, dann ist der gesamte Antrag ohne Zuständigen und befindet sich somit nicht im Kosmos der Sachbearbeiter.

Spätestens, wenn man nicht weiß, wo man das richtige Kreuz, das dann über seine finanzielle Zukunft entscheidet, unter gefühlten zwei Millionen Auswahlmöglichkeiten machen muss, dann weiß man, was an einem Haar Aufgehängte über einem Becken aus grünem Schleim Baumelnde erleiden müssen. Und wenn mich dann noch der Sachbearbeiter mit seinem genialen Grinsen, das eine Mischung zwischen Bohnenstil und Karpfen ist, dann stelle ich mir vor ich sitze einem Vogonen gegenüber und die Welt ist schon ein bisschen leichter:


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Hilfe, ich bin eine Nummer im System! Aber welche?

Freitag, Juni 4th, 2010

Die Welt wurde von einem Mathematiker erschaffen, zumindest die Welt der Bürokratie. Zahlen sind ja auch viel unkomplizierter als Buchstaben, vor allem, wenn es so viele Zahlen sind! Unser beamtischer Schöpfungsmythos scheint sich einzig und allein um geheime Codes zu drehen, die nur wenige wirklich verstehen werden. 10101110010110 Strom ein, Strom aus. Mensch an, Mensch aus.

Nur leider funktionieren unsere Nummern immer noch etwas anders. Bei jeder Behörde hat man eine andere Nummer, bei jedem Behördenbesuch muss man eine Nummer ziehen. Sie tanzen uns um den Kopf, sie tanzen uns im Kopf und dieser Kopf ist eigentlich mit Wörtern gefüllt. Zahlen ohne Sinn und mit Recht ohne Verstand, wobei manche dieser Zahlen scheinen ein merkwürdiges Eigenleben zu entwickeln.

Wenn man nachts ganz leise ist, kann man die Zahlen in den Aktenschränken flüstern hören. Sie verbünden sich zu noch mehr kleineren Zahlen. Sie kommen auf uns zu. Es gibt kein Entrinnen. Wir verheddern uns in Telefonnummern, Steuernummern, Identifikationsnummern, Rechnungsnummern, Tischnummern, Platznummern, Nummernummern… Am Ende werden wir nur noch kleine Nummern von großen Nummern sein und in einem Nummernparadies leben, in denen Zahlen und Ziffern die Herrschaft haben. Wir werden in Nummernhausen, im Zahlenbezirk leben und vom großen Zifferus Kennungsnummerus regiert werden. Heil dir! Es ist bereits zu spät! 10101110010110 Strom ein, Strom aus. Mensch an, Mensch aus.


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