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Wir werden sie vermissen

Dienstag, Juni 1st, 2010

(Gastbeitrag von draingirl) Martina war langweilig und so surfte sie ein bißchen im Internet. Dabei stieß sie auf eine Seite, die sie schon lang nicht mehr besucht hatte. HappyFacebook. Früher hatte sie dort einen account und sie wurde etwas wehmütig. Sie wollte doch wieder neue Freunde kennen lernen und mit alten Freunden in Kontakt bleiben, sogar welteit! Also beschloss sie, sich wieder einen account zuzulegen. Wieder landete sie bei Schritt eins: “Füge Freunde hinzu”

Gut. Happy Facebook schlug ihr auch prompt zwei Personen vor. Eine davon kannte sie tatsächlich. Sie war früher mit dieser Person auf HappyFacebook befreundet. Komisch. Woher wusste das HappyFacebook? Konnte HappyFacebook etwa hellsehen? War Happyfacebook ein
übernatürliches Web-Intelligenz-hybrid? Nun ja. Martina wollte sich nicht mit solch unhappy Gedanken aufhalten und fuhr in der Anwendung fort.

Im nächsten Schritt schlug HappyFacebook vor, ihr e-mail-Konto nach angemeldeten Freunden zu durchsuchen. Menschen, die noch nicht bei der Partei äh HappyFacebook waren, sollte sofort rekrutiert werden. Hmm…sie beschloss, das Freunde hinzufügen auf später zu verschieben.

Nun sollte sie angeben welcher Schule oder Hochschule sie angehört oder welchen Arbeitgeber sie hat. Das alles dient natürlich der Freundesfindung, die ja das Hauptziel von HappyFacebook ist.” Ja ja”, dachte sich Martina “immer mit der Ruhe”. Man soll ja nichts überstürzen. Also auch diesen Schritt überspringen und vielleicht endlich zum eigenen Profil gelangen? Nein, denn HappyFacebook legte ihr noch einmal nahe, doch ihren lieben Freund von früher in ihre Freundesliste aufzunehmen.

Also noch einmal Hürdenspringen, schnell ein Foto hochgeladen und vielleicht endlich am Ziel. Schnell noch die e-mail-adresse bestätigen und…Herzliche wilkommen Martina Mist! steht da in fröhlichen HappyFacebook-Farben. Juhuu! Endlich konnte sich Martina hemmungslos vernetzen. Aber inzwischen war sie so ausgelaugt, dass sie gar keine rechte Lust mehr auf noch mehr Arbeit hatte. Vielleicht sollte sie das doch lassen mit diesem HappyFacebook. Außerdem hatte sie böse Gerüchte gehört, HappyFacebook habe die Rechte an alle ihren Bildern in ihrem Profil. Sie glaubte diesen Gerüchten nicht so recht und was da in Artikel 2.1 stand, verstand sie auch nicht so ganz.

Also machte sie sich daran, ihr Konto zu löschen. Bei ihren HappyFacebook Kontoeinstellungen fand sie aber die zauberhafte Option “Konto löschen” nicht, sondern nur “Konto deaktivieren”. Jaaa…wie war das denn noch mal vor ein paar Jahren? Wie hatte sie es nur geschafft, ihr Konto bei HappyFacebook zu löschen? Mal im Hilfebreich nach “account löschen” suchen. Jaa! Dort wurde ihr doch tatsächlich ein link angeboten, der ihr zur Auslöschung ihres HappyFacebook Accounts verhelfen sollt, natürlich erst nach einem langen Text, der ihr nochmal erklärte, wie viele Vorteile es doch habe, ihren Account nur zu deaktivieren, anstatt ihn ganz zu löschen. Wie rücksichtsvoll von HappyFacebook, sich so um sie zu bemühen.

Aber Martina entschied sich dafür, nicht wieder mit so einer Webidentität anzufangen und mit Menschen befreundet sein, die im richtigen Leben nie mit ihr gesprochen hatten, zu Schulzeiten beispielsweise. Ein Klick auf “Anfrage senden”, noch ein letztes mal das Passwort eingeben und gelöscht sein! Nein! Noch nicht ganz, denn dieser Vorgang dauerte 14 Tage. “Hoffentlich werde ich nicht wieder schwach”, dachte sich Martina, denn dann wäre der Löschvorgang aufgehoben und HappyFacebook wäre happy darüber, einen Jünger behalten zu dürfen.



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